Ratgeber · Spielerschutz
Zahlen und Fakten zur Glücksspielsucht in Deutschland
Wie viele Menschen spielen, wie viele davon ein problematisches Verhalten entwickeln und welche Spielformen das höchste Risiko tragen: Daten des Glücksspiel-Surveys 2025 und der…
Von Redaktion Spielatlas Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit
Inhalt
Wie verbreitet Glücksspiel in Deutschland ist
Glücksspiel gehört für einen großen Teil der Bevölkerung zum Alltag. Nach den Daten des Glücksspiel-Surveys 2025 haben 36,4 % der Erwachsenen zwischen 18 und 70 Jahren innerhalb der letzten zwölf Monate um Geld gespielt, also mehr als jede dritte Person dieser Altersgruppe. Die Teilnahme folgt erkennbaren Mustern: Männer spielen mit 40,4 % häufiger als Frauen mit 32,4 %. Die höchste Beteiligung weisen die 56- bis 70-Jährigen mit 40,3 % auf, dicht gefolgt von den 26- bis 35-Jährigen mit 40,1 %.
Bei den Spielformen dominieren die Lotterien. LOTTO 6aus49 nutzten 18,3 % der Befragten, den Eurojackpot 13,8 %. Casinospiele und Automaten erreichen zusammen 3,4 %, wobei der Besuch einer Spielbank mit 2,3 % noch etwas häufiger genannt wurde als das Spiel an Online-Automaten mit 1,6 %. Die Nutzergruppe der riskanteren Formate ist damit kleiner, wächst aber nach Einschätzung der Studienautoren.
Umfang des problematischen Spielens
Die zentralen Zahlen des Surveys betreffen die Störung selbst. Etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland erfüllen die Kriterien einer glücksspielbezogenen Störung; das entspricht 2,2 % der Bevölkerung. Weitere 3,3 Millionen Menschen zeigen ein riskantes Spielverhalten mit erhöhter Gefahr, in eine Störung abzurutschen. Als besonders gefährdete Gruppe nennt der Survey junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren.
Welche Spielformen das höchste Risiko tragen
Nicht jede Spielform ist gleich riskant. Der Survey 2025 weist den Anteil der Spielenden mit einer Störung je Spielform aus:
| Spielform | Anteil der Nutzenden mit glücksspielbezogener Störung |
|---|---|
| Virtuelle Automatenspiele | 32,5 % |
| Sportwetten (insbesondere Live-Wetten) | 27,0 % |
| Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten | 23,4 % |
Gemeinsam ist diesen Formaten die kurze Zeit zwischen Einsatz und Ergebnis. Bei einer Lotterie liegen Tage zwischen Kauf und Ziehung; Automaten und Live-Wetten erlauben Wiederholungen im Sekundentakt. Die hohe Ereignisfrequenz erschwert es, Verluste zu verarbeiten, schaltet das Zeitgefühl aus und begünstigt impulsives Handeln. Warum das Spieltempo als zentraler Risikofaktor gilt, erläutert der Beitrag zur Suchtgefahr bei Online-Slots.
Spielfrequenz und Spielformwechsel
Zwei weitere Befunde des Surveys betreffen das Verhalten schwer Betroffener. 87 % der Menschen mit einer schweren Störung spielen mindestens einmal pro Woche, viele mehrmals im Monat oder täglich. Mehr als die Hälfte nutzt zwei oder mehr Spielformen parallel. Hohe Frequenz und der Wechsel zwischen Angeboten gelten deshalb als Hinweise auf ein verfestigtes Muster.
Typisch sind zudem kognitive Verzerrungen: die Kontrollillusion, den Ausgang durch Wissen oder ein System beeinflussen zu können, und die Deutung von Beinahe-Gewinnen als Vorzeichen eines bevorstehenden Treffers. Beides hält den Kreislauf aufrecht, weil Zufall als beherrschbar erscheint.
Die Zahlen zeigen kein Randphänomen. Riskantes und pathologisches Spielen zusammengenommen betrifft mehr als 4,5 Millionen Menschen, verteilt über alle Schichten und Altersgruppen.
Akzeptanz von Schutzmaßnahmen
Der Survey dokumentiert auch die Haltung der Bevölkerung zu Regulierung. 82,8 % der Spielenden bewerten die Möglichkeit, sich selbst vom Spiel auszuschließen, positiv. 78,3 % der Bevölkerung befürworten Werbeverbote für Glücksspiel. Das bundesweite Sperrsystem OASIS mit Selbstsperre (Mindestdauer drei Monate) und Fremdsperre (Mindestdauer ein Jahr) stößt damit auf breite Zustimmung. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 ergänzt es bei lizenzierten Anbietern um das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 € pro Monat (LUGAS), den Einsatz von maximal 1 € pro Spielrunde, die 5-Sekunden-Regel, das Autoplay-Verbot und den Panik-Button mit 24-Stunden-Sperre. Die Aufsicht liegt bei der GGL in Halle (Saale).
Der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht
Seit mehreren Jahren findet jeweils am letzten Mittwoch im September der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht statt. Die nächsten Termine: 30. September 2026, 29. September 2027, 27. September 2028. Träger sind die Landesfachstellen für Glücksspielsucht, Suchtberatungsstellen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; die GGL informiert ebenfalls über den Tag.
Ziel ist Aufklärung ohne Vorverurteilung. Beratungsstellen bieten an diesem Tag Informationsstände in Fußgängerzonen, Vorträge in Rathäusern und Gemeindezentren, Tage der offenen Tür, telefonische Sprechstunden sowie digitale Formate wie Webinare und moderierte Chats bis in den Abend. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; wer möchte, bleibt anonym und nimmt lediglich Informationsmaterial mit. Berater erklären vor Ort das Sperrsystem OASIS und unterstützen beim Antrag auf Selbstsperre.
Der Aktionstag richtet sich an Menschen mit riskantem oder bereits abhängigem Spielverhalten, an Personen mit hohen Verlusten, an Angehörige wie Partner, Eltern und Kinder sowie an Freunde und Kollegen, die Veränderungen bemerken. Für Angehörige gibt es eigene Gesprächsangebote zu Co-Abhängigkeit und zum Schutz gemeinsamer Finanzen. Nach Angaben von Fachstellen belastet jede Person mit einer Glücksspielsucht im Schnitt 10 bis 15 weitere Menschen aus dem Umfeld . Termine vor Ort lassen sich über die Landesfachstellen des jeweiligen Bundeslandes, die BZgA unter bzga.de oder die örtliche Suchtberatung erfragen.
Was Betroffene und Angehörige tun können
Für Betroffene stehen ein anonymer Selbsttest und kostenlose Beratung per Telefon, Chat oder E-Mail unter check-dein-spiel.de bereit, ergänzt durch das Beratungstelefon der BZgA unter 0800 1 37 27 00. Die Selbstsperre über OASIS nimmt den Druck aus akuten Phasen; eine Beratungsstelle vor Ort begleitet längerfristig. Welche Behandlungsformen es gibt, beschreibt der Beitrag zu den Hilfsangeboten bei Spielsucht.
Angehörige können eine Fremdsperre beantragen, sollten keine Schulden übernehmen und kein Geld leihen, auf Warnsignale wie Heimlichkeit und unerklärliche Geldnot achten und sich selbst Unterstützung in einer Angehörigengruppe oder Suchtberatung holen. Niemand ist für die Sucht oder die Genesung eines anderen Menschen verantwortlich; Grenzen zu setzen ist legitim, insbesondere wenn Kinder betroffen sind.
Weitere Informationen zu den gesetzlichen Schutzmechanismen stehen in der Rubrik Spielerschutz; Werkzeuge für kontrolliertes Spielen fasst die Seite verantwortungsvolles Spielen zusammen.