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Ratgeber · Spielerschutz

Glücksspielsucht erkennen: Abgrenzung zwischen Hobby und Erkrankung

Glücksspielsucht ist eine anerkannte psychische Störung. Welche Merkmale sie vom Freizeitspiel trennen, welche Stufen dazwischen liegen und was Betroffene und Angehörige tun…

Von Redaktion Spielatlas Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit

Inhalt

Was Glücksspielsucht ausmacht

Glücksspielsucht ist eine anerkannte psychische Erkrankung, bei der die Kontrolle über das eigene Spielverhalten verloren geht. Entscheidend ist nicht, ob jemand spielt, sondern ob das Spielen noch frei gesteuert werden kann und ob es trotz negativer Folgen fortgesetzt wird. Die Fachliteratur nennt als Kernmerkmale ein starkes Verlangen zu spielen, erfolglose Versuche, das Spielen einzuschränken, anhaltende gedankliche Beschäftigung mit dem Glücksspiel sowie Probleme mit Geld, Beziehungen oder Beruf, die durch das Spielen entstehen und es dennoch nicht beenden.

Der Übergang verläuft selten abrupt. Zwischen unproblematischem Freizeitspiel und einer Erkrankung liegen mehrere Stufen, die sich an Häufigkeit, emotionaler Bedeutung und Folgen unterscheiden lassen.

Vier Stufen vom Freizeitspiel zur Erkrankung

  1. Freizeitspiel: gelegentlich, geplant, ohne spürbare Schäden. Nach dem Spielen ist das Thema abgeschlossen.
  2. Riskantes Spielverhalten: häufigeres Spielen, steigende Einsätze, das Spiel bekommt emotionales Gewicht.
  3. Problematisches Spielverhalten: Verluste belasten deutlich, das Spielen wird verheimlicht, die Gedanken kreisen häufiger darum.
  4. Pathologisches Spielen: Kontrollverlust trotz spürbarer finanzieller, sozialer oder gesundheitlicher Folgen.

Die Grauzone zwischen Stufe zwei und drei ist der Bereich, in dem Gegensteuern am leichtesten gelingt. Viele Betroffene warten jedoch, bis die Folgen unübersehbar sind. Ein Selbsttest, wie ihn die Checkliste zur Selbsteinschätzung bietet, hilft, die eigene Position in diesem Spektrum nüchtern zu bestimmen.

Hobby und Sucht im Vergleich

Bereich Freizeitspiel Problematisches Spielen
Motivation Unterhaltung innerer Druck, Stress, Leere
Kontrolle Pausieren und Aufhören jederzeit möglich Aufhören gelingt nicht mehr zuverlässig
Häufigkeit gelegentlich und bewusst öfter und länger als geplant
Geld nur entbehrliches Budget zu hohe Einsätze, Spielen trotz Geldnot
Verluste werden akzeptiert sollen zurückgeholt werden
Umfeld Alltag, Beruf, Beziehungen stabil Belastung von Arbeit, Familie, Partnerschaft
Offenheit kein Grund zur Heimlichkeit Verharmlosen, Verschweigen, Lügen

Typische Denkfehler

Problematisches Spielen tarnt sich häufig mit plausibel klingenden Erklärungen. Zu den verbreiteten Sätzen gehören: jederzeit aufhören zu können, schon oft gewonnen zu haben, nur noch einmal den Verlust ausgleichen zu müssen, oder dass es bei einem selbst noch nicht so schlimm sei. Solche Gedanken verkleinern das Problem. Besonders das Hinterherjagen von Verlusten gilt in der Suchtforschung als klassisches Frühwarnsignal, weil es den Übergang von Unterhaltung zu Zwang markiert.

Die Grenze verläuft nicht zwischen Spielen und Nichtspielen, sondern zwischen einer Entscheidung, die frei getroffen wird, und einer, die sich nicht mehr vermeiden lässt.

Besonders riskante Spielformen

Grundsätzlich kann jede Form von Glücksspiel abhängig machen. Als besonders riskant gelten Angebote, die schnell, jederzeit verfügbar und emotional aufgeladen sind: virtuelle Automatenspiele, Sportwetten mit Live-Wetten und Geldspielgeräte. Gemeinsam ist ihnen die kurze Zeit zwischen Einsatz und Ergebnis. Warum gerade das Spieltempo als Risikofaktor gilt, erläutert der Beitrag zur Suchtgefahr bei Online-Slots. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 begrenzt bei lizenzierten Anbietern deshalb das Tempo (mindestens fünf Sekunden pro Spielrunde), den Einsatz (maximal 1 € pro Runde) und verbietet Autoplay sowie paralleles Spielen bei mehreren Anbietern.

Folgen für Betroffene

Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf Geld. Fachstellen beschreiben Dauerstress, Schlafstörungen, Gereiztheit und Erschöpfung bis hin zu Depressionen und erhöhter Suizidalität. Im sozialen Bereich zerbrechen Partnerschaften an Lügen und Geldnot, Freundschaften brechen weg, Betroffene ziehen sich zurück. Gleichzeitig gilt: Eine Behandlung ist möglich, und die Kosten für ambulante oder stationäre Therapie werden in Deutschland von Krankenkassen, Rentenversicherung oder Kommunen getragen.

Woran Angehörige ein Problem erkennen

Angehörige bemerken häufig früher als Betroffene, dass sich etwas verändert. Hinweise sind unerklärliche Geldnot, häufiges Leihen, widersprüchliche Angaben zu Ausgaben, starke Stimmungsschwankungen nach Gewinnen oder Verlusten, Rückzug aus gemeinsamen Aktivitäten und ausweichende Antworten. Angehörige können das Problem ruhig und sachlich ansprechen, kein Geld für Verluste oder Schulden leihen, klare Grenzen setzen und bei konkreten Hinweisen eine Fremdsperre über OASIS beantragen. Ebenso wichtig: eigene Beratung in Anspruch nehmen, um nicht in eine Co-Abhängigkeit zu geraten. Niemand ist für die Sucht eines anderen verantwortlich.

Erste Schritte bei Verdacht

Wer bei sich selbst Warnzeichen erkennt, muss nicht auf einen Tiefpunkt warten. Sinnvolle erste Schritte sind eine schriftliche Bestandsaufnahme (wann, wie viel, in welchen Situationen), das Entfernen gespeicherter Zahlungsdaten und Apps, der Verzicht auf jeden Versuch, Verluste zurückzuholen, und das Einbeziehen einer Vertrauensperson. Das bundesweite Sperrsystem OASIS bietet eine Selbstsperre mit gesetzlicher Mindestdauer von drei Monaten; eine Fremdsperre durch Angehörige gilt mindestens ein Jahr. Die Sperre ist nur für lizenzierte Glücksspielanbieter einsehbar, nicht für Banken, Arbeitgeber oder Auskunfteien.

Kostenlose und anonyme Beratung bieten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über das Portal check-dein-spiel.de mit Online-, E-Mail- und Telefonberatung sowie das Beratungstelefon unter 0800 1 37 27 00. Das Portal buwei.de vermittelt Beratungsstellen vor Ort. Welche Behandlungsformen es gibt, beschreibt der Beitrag zu den Hilfsangeboten bei Spielsucht.

Weitere Informationen zu den gesetzlichen Schutzmechanismen stehen in der Rubrik Spielerschutz; Grundsätze und Werkzeuge für kontrolliertes Spielen fasst die Seite verantwortungsvolles Spielen zusammen.

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